Der Ort

Hotzenwald entdecken: Orte, Landschaft und Geschichte

Die südlichste Landschaft des Schwarzwalds: wo der Hotzenwald liegt, welche Orte dazugehören, was die Hochfläche prägt und wer die Salpeterer waren.

Der Hotzenwald ist die südlichste Landschaft des Schwarzwalds: eine Hochfläche zwischen Alb und Wehra, die vom Hochrhein steil auf rund 1.000 Meter ansteigt. Typisch sind offene Wiesen, verstreute Weiler, Moore und tief eingeschnittene Schluchten, dazu eine eigenwillige Geschichte freiheitsliebender Bauern. Höchenschwand liegt knapp östlich der Alb am Rand der Region und ist ein guter Ausgangspunkt, um den Hotzenwald kennenzulernen.

Wo der Hotzenwald liegt und wo er aufhört

Eine amtliche Grenze hat der Hotzenwald nicht. Im engeren Sinn meint man das Gebiet zwischen der Alb im Osten und der Wehra im Westen. Im Süden bildet der Hochrhein mit der Grenze zur Schweiz einen klaren Abschluss. Nach Norden geht die Landschaft ohne scharfe Linie in den Hochschwarzwald um Todtmoos und St. Blasien über.

Höchenschwand liegt auf der Hochfläche östlich der Alb. Streng genommen gehört der Ort damit nicht zum Kern des Hotzenwalds, sondern grenzt an ihn. Im Alltag, in Wanderführern und bei Gästen wird die Gegend trotzdem oft zusammen genannt, und das hat Gründe: Die Landschaft sieht ähnlich aus, die Dörfer gehörten über Jahrhunderte zur gleichen Herrschaft, und Brauchtum und Dialekt sind eng verwandt. Mehr zum Ort selbst lesen Sie im Porträt von Höchenschwand.

Merkmal Hotzenwald im engeren Sinn Höchenschwand
Lage zwischen Wehra und Alb östlich der Alb, zwischen Alb und Schwarza
Landschaft Hochfläche mit Wiesen, Weilern, Mooren offene Hochfläche, Moore, Waldränder
Höhenlage vom Hochrhein bis auf rund 1.000 m und etwas darüber Ortskern auf rund 1.015 m
Verwaltung überwiegend Landkreis Waldshut, im Westen Lörrach Landkreis Waldshut

Landschaft: Hochfläche, Moore und Schluchten

Wer vom Hochrhein heraufkommt, erlebt den Hotzenwald wie eine Treppe. Unten liegen das Rheintal und die Städte am Fluss, darüber steigen bewaldete Hänge steil an, und oben öffnet sich eine weite, leicht gewellte Hochfläche. Diese Stufe ist geologisch der Südrand des Schwarzwälder Grundgebirges, das hier zum Rhein hin abbricht.

Die Hochfläche

Oben prägen Wiesen und Weiden, kleine Weiler und einzelne Höfe das Bild. Der Wald ist nicht geschlossen wie im Nordschwarzwald, sondern wechselt mit offenen Flächen. Daraus entstehen die weiten Blicke, für die die Gegend bekannt ist. An klaren Tagen, vor allem bei Föhn oder Inversionswetterlagen im Herbst, reicht die Sicht bis zu den Schweizer Alpen.

Moore

Auf der Hochfläche haben sich in Mulden und auf wasserundurchlässigem Untergrund Moore gebildet. Mehrere davon stehen unter Naturschutz, etwa das Horbacher Moor bei Dachsberg. Auch rund um Höchenschwand gibt es Moorflächen. Moore sind empfindlich: Bleiben Sie auf Stegen und Wegen, und betreten Sie keine Moorflächen abseits davon.

Schluchten

An den Rändern haben sich Flüsse tief in das Gestein gegraben. Im Osten liegt die Albschlucht, im Westen die Wehraschlucht, dazwischen fließen kleinere Bäche wie die Murg in eigenen Tälern zum Rhein. Teile der Schluchtwege können nach Felsstürzen oder Unwettern gesperrt sein. Prüfen Sie den aktuellen Stand vor einer Tour bei der zuständigen Tourist-Information.

Orte im Hotzenwald

Welche Gemeinden zum Hotzenwald zählen, wird unterschiedlich weit gefasst. Häufig genannt werden die Orte auf der Hochfläche, ergänzt um die Städte am Hochrhein, die historisch und wirtschaftlich mit ihr verbunden sind.

Ort Was ihn ausmacht
Herrischried Hochflächengemeinde mit dem Klausenhof, einem historischen Hotzenhaus mit Museum
Rickenbach Dörfer auf der Hochfläche, Wanderwege mit Blick zum Rhein
Görwihl Gemeinde zwischen Alb- und Murgtal, zahlreiche Weiler
Dachsberg und Ibach höher gelegene Orte im Norden, Moore und Wälder
Todtmoos Übergang zum Hochschwarzwald, Wallfahrtsort an der Wehra
Wehr Stadt am Ausgang der Wehraschlucht
Bad Säckingen, Laufenburg, Albbruck Orte am Hochrhein, Tor zur Hochfläche

Ein guter erster Halt ist der Klausenhof in Herrischried. Das Gebäude ist ein historisches Hotzenhaus, das an seinem heutigen Standort wieder aufgebaut wurde und ein Museum zur Lebensweise der Region beherbergt. Hotzenhäuser waren große Eindachhöfe, in denen Wohnung, Stall und Scheune unter einem tief heruntergezogenen Dach lagen. Öffnungszeiten erfahren Sie bei der Gemeinde oder der Tourist-Information Herrischried.

Am Hochrhein lohnt Laufenburg, wo die Altstadt auf deutscher und Schweizer Seite einander gegenüberliegt, sowie Bad Säckingen mit seiner historischen gedeckten Holzbrücke über den Rhein.

Geschichte: Kloster, Einungen und Salpeterer

Unter dem Kloster St. Blasien

Über Jahrhunderte bestimmte das Benediktinerkloster St. Blasien die Geschichte der Gegend. Es besaß ausgedehnten Grundbesitz und Herrschaftsrechte, auch über Höchenschwand. Landesherren waren dagegen die Habsburger: Die Region gehörte als Grafschaft Hauenstein zu Vorderösterreich.

Die Einungen

Die Bauern der Grafschaft Hauenstein organisierten sich in acht Einungen, genossenschaftlichen Verbänden mit gewählten Einungsmeistern. Diese Selbstverwaltung war für ihre Zeit bemerkenswert. Die Einungen vertraten die Bauern gegenüber Kloster und Landesherrschaft und beriefen sich auf alte, verbriefte Freiheiten. Nach verbreiteter Darstellung war auch Höchenschwand Sitz einer dieser Einungen, was die enge Verbindung des Ortes zur Hotzenwaldgeschichte zeigt.

Die Salpeterer

Im 18. Jahrhundert eskalierte der Streit. Ab den 1720er Jahren verweigerten Teile der Bauernschaft dem Abt von St. Blasien die Huldigung, weil sie sich als freie Leute sahen und die Einstufung als Leibeigene ablehnten. Die Bewegung erhielt ihren Namen von Johann Fridolin Albiez, einem wohlhabenden und redegewandten Bauern, der nebenher Salpeter gewann und deshalb Salpetererhans genannt wurde.

Was folgte, waren Jahrzehnte mit Protesten, Prozessen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Österreichisches Militär schlug die Aufstände nieder, Anführer wurden hart bestraft. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden rebellische Familien in entfernte Gebiete der Habsburgermonarchie umgesiedelt, danach verlor die Bewegung an Kraft. Nachdem die Region Anfang des 19. Jahrhunderts an Baden gekommen war, lebte der Widerstand gegen staatliche Vorgaben in kleineren Gruppen noch eine Zeit lang fort.

Heute erinnern Gedenkorte, Heimatmuseen und Theaterstücke an die Salpeterer. Für viele in der Region stehen sie für Eigensinn und Freiheitswillen.

Wandel im 20. Jahrhundert

Lange war der Hotzenwald eine arme Gegend mit kleinen Höfen, Heimarbeit und Abwanderung. Im 20. Jahrhundert brachten Wasserkraft und Tourismus neue Einkommen. Auf der Hochfläche entstanden Speicherbecken für Pumpspeicherkraftwerke, die das Gefälle zum Rhein nutzen. Gleichzeitig entdeckten Erholungssuchende die ruhige Landschaft für sich.

Brauchtum und Sprache

Im Hotzenwald und in Höchenschwand wird Alemannisch gesprochen, und die Fasnet ist der wichtigste Termin im Brauchtumsjahr. Viele Dörfer haben eigene Narrenzünfte mit Holzmasken, Häs und überlieferten Figuren. Wie die alemannische Fasnet abläuft und was die Masken bedeuten, erklärt der Beitrag zur alemannischen Fasnet im Hotzenwald.

Zur Tradition gehört auch die Küche mit Speck, Bauernbrot, Most und Kuchen. Gasthäuser, die regionale Gerichte anbieten, gibt es in den meisten Dörfern. Einzelne Betriebe nennen wir bewusst nicht.

Den Hotzenwald von Höchenschwand aus erkunden

Von Höchenschwand führt die Straße hinunter ins Albtal und auf der anderen Seite wieder hinauf auf die Hotzenwälder Hochfläche. Mit dem Auto sind die nächsten Dörfer schnell erreicht. Busverbindungen gibt es, sie sind auf dem Land aber nicht dicht getaktet. Prüfen Sie Fahrpläne vorab und klären Sie, ob Ihre Gästekarte Bus und Bahn einschließt.

Ideen für einen Tag

  • Kultur und Aussicht: Klausenhof in Herrischried, danach eine kurze Wanderung über die Hochfläche mit Blick Richtung Rhein und Alpen.
  • Schlucht und Rhein: Wanderung an einem der Schluchtwege, anschließend Altstadtbummel in Laufenburg oder Bad Säckingen.
  • Moore und Wälder: Rundweg im Norden der Region um Dachsberg oder Ibach, ruhig und mit wenig Höhenmetern.
  • Winter: Bei geschlossener Schneedecke sind Hochfläche und Waldwege ideal für Winterwanderungen. Tipps für Touren mit Schneeschuhen finden Sie im Beitrag zum Schneeschuhwandern im Hotzenwald.

Wandern

Die Region ist von markierten Wanderwegen durchzogen. Am Ostrand verläuft der Albsteig durch das Albtal, der Fernwanderweg Schluchtensteig berührt mit der Wehraschlucht den Westrand. Dazwischen gibt es zahlreiche Rundwege auf der Hochfläche, die meist ohne große Steigungen auskommen. Touren direkt ab Höchenschwand und Tipps zur Planung finden Sie im Bereich Wandern rund um Höchenschwand, weitere Ziele in der Umgebung unter Ausflugsziele.

Praktische Hinweise

  • Die Hochfläche ist dem Wetter ausgesetzt. Wind und Nebel kommen schnell, eine Jacke gehört auch im Sommer in den Rucksack.
  • In Schluchten ist der Handyempfang teils schwach. Speichern Sie Karten offline.
  • Viele Wege führen über Weiden. Schließen Sie Gatter, halten Sie Abstand zu Weidetieren und nehmen Sie Hunde an die Leine.
  • Einkehrmöglichkeiten haben auf dem Land oft Ruhetage. Planen Sie Proviant ein.

Quellen

  • Landschaft und Abgrenzung: Naturpark Südschwarzwald, Landeskunde Baden-Württemberg (LEO-BW)
  • Klausenhof Herrischried: Angaben der Gemeinde Herrischried und von Hochschwarzwald Tourismus
  • Grafschaft Hauenstein, Einungen und Salpeterer: Beiträge in den Regionalia der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe
  • Wanderwege und Sperrungen: Schwarzwald Tourismus GmbH, Tourist-Informationen der Region (tagesaktuell)
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wo genau liegt der Hotzenwald?
Der Hotzenwald bildet den Südrand des Schwarzwalds. Im engeren Sinn reicht er von der Wehra im Westen bis zur Alb im Osten, im Süden fällt er zum Hochrhein ab, im Norden geht er ohne scharfe Grenze in den Hochschwarzwald um Todtmoos und St. Blasien über. Der größte Teil gehört zum Landkreis Waldshut.
Gehört Höchenschwand zum Hotzenwald?
Nicht im engeren Sinn. Höchenschwand liegt knapp östlich der Alb auf der benachbarten Hochfläche. Weil Landschaft, Geschichte und Brauchtum eng verbunden sind und Höchenschwand wie die Hotzenwalddörfer lange zum Kloster St. Blasien und zur Grafschaft Hauenstein gehörte, wird der Ort in Wanderführern und im Alltag oft mit dem Hotzenwald zusammen genannt.
Woher kommt der Name Hotzenwald?
Der Name geht auf die Bewohner zurück, die Hotzen genannt wurden. Woher diese Bezeichnung stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Eine verbreitete Deutung verbindet sie mit dem groben Wollstoff, aus dem die traditionelle Kleidung der Gegend gefertigt war. Das Hotzenmuseum im Klausenhof in Herrischried erklärt die Hintergründe.
Wer waren die Salpeterer?
Die Salpeterer waren eine Bauernbewegung in der Grafschaft Hauenstein. Im 18. Jahrhundert wehrten sie sich gegen die Herrschaftsansprüche des Klosters St. Blasien, vor allem gegen die Leibeigenschaft, und beriefen sich auf alte Freiheitsrechte. Der Name geht auf Johann Fridolin Albiez zurück, der als Salpetersieder arbeitete und Salpetererhans genannt wurde. Die Unruhen wurden militärisch niedergeschlagen.
Lohnt sich ein Tagesausflug von Höchenschwand in den Hotzenwald?
Ja. Über das Albtal erreichen Sie die Hotzenwalddörfer mit dem Auto in kurzer Zeit. Ein Tag reicht gut für eine Kombination aus Museum, kurzer Wanderung und Aussicht, etwa Klausenhof in Herrischried, eine Runde über die Hochfläche und ein Abstecher an den Hochrhein. Für Schluchtenwanderungen sollten Sie einen eigenen Tag einplanen.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Höchenschwand im Web.