Feste und Brauchtum

Alemannische Fasnet im Hotzenwald: Bräuche, Masken, Termine

Häs, Larve, Narrensprung und Funkenfeuer: wie die alemannische Fasnet im Südschwarzwald abläuft, was Gäste wissen sollten und wann die nächsten Fasnetstage sind.

Die alemannische Fasnet ist die Fastnacht im Südwesten Deutschlands, in der Nordschweiz und im Elsass. Sie unterscheidet sich deutlich vom rheinischen Karneval: Statt Sitzungen und Prinzenpaaren prägen Narrenzünfte mit überlieferten Figuren, handgeschnitzten Holzlarven und lauten Umzügen das Bild. Die heißen Tage beginnen am Schmutzigen Donnerstag und enden in der Nacht zum Aschermittwoch. Diese Seite erklärt Bräuche, Figuren und Ablauf, nennt die Termine der nächsten Jahre und gibt Tipps für Gäste. Einen Überblick über alle Feste des Jahres gibt die Seite Feste und Brauchtum.

Was die alemannische Fasnet ausmacht

Narrenzünfte

Getragen wird die Fasnet von Narrenzünften und Narrenvereinen. Sie pflegen die Figuren ihres Ortes, organisieren Umzüge und Bälle und geben das Wissen über Häs und Bräuche weiter. Viele Zünfte sind in überregionalen Verbänden organisiert, die auch Regeln für Häs und Auftritte aufstellen. Wer als Gast eine Zunft sucht, findet die Ansprechpartner meist über die Gemeinde.

Häs und Larve

Das Kostüm heißt Häs. Es ist kein Fasnachtskostüm von der Stange, sondern ein festgelegtes Gewand, das zu einer bestimmten Figur gehört. Dazu kommt die Larve, im Schwäbischen auch Scheme genannt: eine geschnitzte Holzmaske. Viele Larven werden von Hand gefertigt, bemalt und über Jahre oder Generationen getragen. Häs und Larve zusammen machen aus einem Menschen eine Figur, die während der Fasnet nicht erkannt werden soll.

Typische Figuren

Die Figuren unterscheiden sich von Ort zu Ort. Häufig sind:

  • Hansele und Weißnarren: helle Gewänder, oft mit Glocken oder Schellen, freundliche oder spöttische Larven
  • Hexen: eine vergleichsweise junge Figur, die im 20. Jahrhundert in vielen Orten populär wurde
  • Teufel und Tierfiguren: wild, laut, oft mit Ketten oder Rasseln
  • Narrensamen: die Kinder der Zunft, die früh in das Brauchtum hineinwachsen

Dazu kommen Musikkapellen, Fahnenträger und örtliche Sonderfiguren, die oft auf eine Sage oder eine Begebenheit im Dorf zurückgehen.

Narrenrufe

Jede Zunft hat ihren eigenen Ruf, den die Narren rufen und die Zuschauer beantworten. Wer den Ruf kennt, gehört dazu. Fragen Sie am Straßenrand einfach nach, Einheimische erklären ihn gern.

Weitere Begriffe kurz erklärt

  • Guggenmusik: Blaskapellen, die bewusst schräg, laut und rhythmisch spielen. Sie stammen aus der Schweizer Fasnacht und sind heute auch im Südschwarzwald bei vielen Umzügen dabei.
  • Narrenbaum: ein geschmückter Baum, der zu Beginn der heißen Tage im Ort aufgestellt und nach der Fasnet wieder gefällt wird. Nicht jeder Ort kennt diesen Brauch.
  • Hemdglunker: Narren im weißen Nachthemd, die am Abend des Schmutzigen Donnerstags mit Lärm durch die Straßen ziehen.
  • Fasnetsküchle: in Fett ausgebackenes Gebäck, das vor Beginn der Fastenzeit traditionell auf den Tisch kam.

Ablauf: von Dreikönig bis Funkensonntag

Zeitpunkt Was passiert typischerweise
6. Januar, Dreikönig Vielerorts Beginn der Fasnetszeit, Häs und Larven werden hervorgeholt
Wochenenden im Januar und Februar Narrentreffen, Umzüge in Nachbarorten, Bälle der Zünfte
Schmutziger Donnerstag Auftakt der heißen Tage, Befreiung der Schüler, Sturm aufs Rathaus, abends oft Hemdglunker-Umzug
Freitag und Samstag Bälle, Umzüge, Treffen in Gaststätten
Fasnetssonntag große Umzüge in vielen Orten
Fasnetsmontag Umzüge, Kinderfasnet, Narrenbaumrituale je nach Ort
Fasnetsdienstag letzter Tag, abends Fasnetsverbrennung oder Beerdigung der Fasnet
Aschermittwoch Ende der Fasnet, mancherorts Geldbeutelwäsche am Brunnen
Sonntag nach Aschermittwoch Funkensonntag mit Funkenfeuer, teils Scheibenschlagen

Diese Abfolge ist ein Muster. Nicht jeder Ort feiert jeden Brauch, und manche Bräuche gibt es nur in einzelnen Dörfern.

Schmutziger Donnerstag

Der Name hat nichts mit Schmutz zu tun. „Schmotzig“ bedeutet im Alemannischen fettig. Früher wurde an diesem Tag noch einmal mit Schmalz gebacken, bevor die Fastenzeit begann. Typisch sind Fasnetsküchle und andere Schmalzgebäcke. In vielen Orten übernehmen die Narren am Vormittag symbolisch Schulen und Rathaus. Am Abend ziehen bei Hemdglunker-Umzügen Narren in Nachthemden und Zipfelmützen durch die Straßen.

Funkenfeuer und Scheibenschlagen

Am Sonntag nach Aschermittwoch brennen in vielen Orten im Südwesten große Holzstöße, die Funken. Der Brauch soll den Winter vertreiben. In Teilen des Südschwarzwalds gehört das Scheibenschlagen dazu: Glühende Holzscheiben werden mit Stöcken über eine Rampe ins Tal geschlagen, oft verbunden mit einem Spruch. Ob es in einem Ort ein Feuer gibt, hängt auch von Wetter und Waldbrandgefahr ab.

Fasnet im Hotzenwald und rund um Höchenschwand

Der Hotzenwald im engeren Sinn liegt westlich des Albtals zwischen Alb und Wehra. Höchenschwand liegt östlich der Alb und damit am Rand dieser Landschaft, wird im Sprachgebrauch aber oft dazugezählt. Mehr dazu steht im Artikel Hotzenwald entdecken.

Die Fasnet in den Dörfern der Gegend ist kleiner und familiärer als in den bekannten Fasnetshochburgen wie Rottweil oder Villingen. Gerade das macht sie für Gäste interessant: Die Umzüge sind überschaubar, man steht nah am Geschehen, und nach dem Umzug trifft sich das Dorf in Hallen und Gaststätten. Auch in Höchenschwand und den Nachbarorten gibt es Fasnetsveranstaltungen. Welche Zünfte wann auftreten, ändert sich jedes Jahr. Die Termine veröffentlichen die Zünfte selbst, die Gemeinde nennt sie im Veranstaltungskalender.

Termine der nächsten Jahre

Die Fasnet hängt am Osterdatum: Aschermittwoch liegt 46 Tage vor Ostersonntag. Daraus ergeben sich diese Daten:

Jahr Schmutziger Donnerstag Fasnetsmontag Fasnetsdienstag Aschermittwoch Funkensonntag
2027 4. Februar 8. Februar 9. Februar 10. Februar 14. Februar
2028 24. Februar 28. Februar 29. Februar 1. März 5. März
2029 8. Februar 12. Februar 13. Februar 14. Februar 18. Februar

Umzüge und Narrentreffen in den Orten der Umgebung liegen oft schon an den Wochenenden davor. Für konkrete Orte und Uhrzeiten sind die Narrenzünfte die verlässliche Quelle.

Tipps für Gäste

Respekt vor Häs und Larve

  • Larven nicht anfassen und Hästräger nicht demaskieren. Wer eine Larve trägt, bleibt anonym.
  • Fotografieren ist bei Umzügen üblich. Wenn Sie Kinder in Nahaufnahme fotografieren möchten, fragen Sie die Eltern.
  • Hästräger necken Zuschauer gern, etwa mit Konfetti, Stroh oder einem kurzen Schabernack. Nehmen Sie es mit Humor.

Kälte und Wetter

Fasnet ist im Februar, und auf der Hochfläche um 1.000 Meter ist es dann oft frostig. Bei Umzügen stehen Sie lange draußen. Warme Schuhe, Mütze und Handschuhe sind wichtiger als jede Verkleidung. Wie das Wetter im Spätwinter typischerweise ist, erklärt die Seite Wetter und Reisezeit.

Straßen und Parken

An Umzugstagen sind Ortsdurchfahrten gesperrt. Planen Sie Umleitungen ein und parken Sie außerhalb der Umzugsstrecke. Bei großen Narrentreffen fahren manchmal Sonderbusse.

Unterkunft

Rund um die Fasnetstage sind in den bekannten Hochburgen Zimmer früh vergeben. In kleinen Orten ist es entspannter, aber auch dort lohnt sich eine frühe Buchung, wenn die Ferien in die Fasnetswoche fallen.

Essen zur Fasnet

Zur Fasnet gehören Schmalzgebäcke wie Fasnetsküchle, dazu deftige Kost bei den Bällen. Was die Küche der Region sonst ausmacht, erklärt der Artikel Schwarzwälder Küche.

Fasnet mit Kindern

Für Kinder ist die Fasnet ein Fest voller Farben und Geräusche. Umzüge in kleinen Orten sind gut geeignet, weil die Wege kurz sind und es weniger Gedränge gibt. Manche Figuren mit dunklen Larven und lauten Rasseln wirken auf kleine Kinder allerdings furchteinflößend. Erklären Sie vorher, dass unter jeder Maske ein Mensch steckt. Viele Hästräger verteilen Süßigkeiten an Kinder am Straßenrand. Einen Ohrenschutz für sehr kleine Kinder können Sie bei Umzügen mit lauter Guggenmusik gut gebrauchen.

Quellen

  • Ablauf und Begriffe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht: landeskundliche Darstellungen, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
  • Termine: berechnet aus dem Osterdatum (Aschermittwoch 46 Tage vor Ostersonntag)
  • Örtliche Fasnetsveranstaltungen: Veranstaltungskalender der Gemeinde Höchenschwand
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Fasnet und Karneval?
Der rheinische Karneval lebt stark von Sitzungen, Prinzenpaaren und großen Umzugswagen. Die alemannische Fasnet ist dagegen an Narrenzünfte gebunden, die überlieferte Figuren mit Häs und Holzlarve darstellen. Umzüge, Narrensprünge und örtliche Bräuche stehen im Vordergrund. Jeder Ort hat eigene Figuren und Rufe.
Wann ist Fasnet 2027?
Die Fasnet richtet sich nach Ostern. 2027 ist der Schmutzige Donnerstag am 4. Februar, der Fasnetsmontag am 8. Februar, der Fasnetsdienstag am 9. Februar und Aschermittwoch am 10. Februar. Umzüge und Bälle einzelner Orte liegen oft schon an den Wochenenden davor. Die genauen Termine veröffentlichen die Narrenzünfte.
Darf ich als Gast verkleidet zum Umzug gehen?
Ja, am Straßenrand ist eine Verkleidung kein Problem. Mitlaufen im Umzug ist aber den Mitgliedern der Zünfte vorbehalten. Häs und Larven sind keine Kostüme zum Nachmachen, sondern gepflegte Tradition. Fassen Sie die Holzlarven der Hästräger nicht an.
Was ist das Funkenfeuer?
Am Sonntag nach Aschermittwoch werden in vielen Orten im Südwesten große Feuer entzündet, die symbolisch den Winter vertreiben. In manchen Gegenden gehört das Scheibenschlagen dazu, bei dem glühende Holzscheiben ins Tal geschleudert werden. Ob und wo es ein Feuer gibt, entscheiden die Orte jedes Jahr neu.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Höchenschwand im Web.