Geschichte

Die Anfänge der Besiedlung des Höchenschwander Berges liegen im geschichtlichen Dunkel. Jäger, Köhler, Harzer und Holzmacher drangen anfangs auf die waldigen Höhen vor und bahnten die ersten Wege. Mitte des 9. Jahrhunderts entstand das Benediktinerkloster St. Blasien. In dessen Gebiet, dem "Zwing und Bann", wurden von Klosterbrüdern als Musterwirtschaften die "Bruderhöfe" angelegt; so auch auf unserer Höhe. Man nimmt an, dass damals die "Schwandung (Rodung) des Hacho" entstand. Aus dem aktenkundigen "Hachin-svanda" wurde später Hächinswand und dann Höchenschwand.

Ende des 14. Jahrhunderts entstand unter vorderösterreichischer Herrschaft die hauensteinische Einungsverfassung. Der Höchenschwander Berg bildete mit etlichen anderen Dörfern die Einung Höchenschwand. Das von der Gemeinde Höchenschwand 1906 angenommene Wappen zeigt im gespaltenen Schild vorne in Blau den aufgerichteten goldenen St. Blasianischen Hirsch und hinten das österreichische Bindenschild in Rot mit silbernem Balken und erinnert damit an die frühere territoriale Zugehörigkeit Höchenschwands.
Schwere Not erlitt das Bergdorf durch Pest und andere Seuchen und sehr häufig durch Kriegszeiten und Aufstände. Truppeneinquartierungen, Plünderungen und Brandschatzung brachten etwa in den Bauernerhebungen, im Dreißigjährigen Krieg, als selbst eine Befestigung mit Tor das Dorf nicht schützen konnte, und im Spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) Hungersnot und Elend. Oft mussten die Bewohner vor den Soldatenscharen in die Wälder flüchten und fanden später ihr Dorf ausgeraubt vor. Auch die folgenden Salpetererunruhen und die Revolutionskriege brachten mancherlei Bedrängnisse.

Da für jede Herdstätte eine Abgabe zu zahlen war und die Obrigkeiten den Holzverbrauch beschränkten, lebten zu jener Zeit mehrere Familien unter einem Dach. So zählte man 1632 in Höchenschwand zehn Herdstätten mit 13 Familien. Unter Napoleon wurde 1806 das alte Kloster St. Blasien aufgehoben; sein Besitz – und damit auch Höchenschwand – kam an den Großherzog von Baden. 1844 hatte man in Höchenschwand 38 Häuser mit 79 Familien. Nach1871 wurden die Zeiten für eine Weile ruhiger, Höchenschwand erlebte einen deutlichen Aufschwung in seiner Entwicklung. Dies zeigte sich auch in einer regen Bautätigkeit. Alte Häuser wurden renoviert, neue entstanden, so dass es 1900 schon 49 Gebäude waren.

In dieser Zeit liegen die Anfänge der stetigen Umstellung Höchenschwands vom kleinen Bergbauerndörfchen zum späteren heilklimatischen Kurort internationalen Zuschnitts. Die bäuerlichen Betriebe gaben nach und nach auf, die Bewohner stellten sich auf die neuen Erfordernisse des Kurwesens und Fremdenverkehrs ein. Handwerk, Handel, Gastronomie und Dienstleistungsbetriebe übernahmen immer mehr die Gestaltung des Dorfbildes, wobei sich private Unternehmerinitiative, medizinische Forschung und Praxis und weitschauende Kommunalpolitik sinnvoll ergänzten. Schon 1868 wurde von der damaligen badischen meteorologischen Zentralanstalt Karlsruhe eine Wetter- Beobachtungsstation gegründet und 1935 zur amtlichen Wetterstation erhoben. Im Bereich der Gastronomie zählte man 1844 vier Weinwirtschaften. In jener Zeit kamen auch hin und wieder Reisende und einzelne Touristen nach Höchenschwand und lobten die Landschaft, die gute Luft und die prächtige Fernsicht. 1865 beabsichtigten einige Freiburger und Schweizer Geschäftsleute den Bau eines Kurhauses, wurden sich in ihrer Planung aber nicht einig.

Den eigentlichen "Startschuß" für den späteren Fremdenverkehr gab 1873 Augustin Maier. Schon um 1330 war in Höchenschwand ein "Tafernhof’ (Taverne) bekannt, der um 1800 die Bezeichnung Gasthaus "Zum Ochsen" erhielt. Augustin Maier stammte aus Menzenschwand, wirtete zuerst auf dem Feldberg, erwarb dann den "Ochsen" und baute ihn 1873 um. Es wurde der "Gasthof Höchenschwand", später "Hotel Höchenschwand" und 1895 "Kurhaus Höchenschwand". Damit war der Begriff "Kur" gegeben, zumal das Haus am 1. Juli 1919 eine ärztliche Abteilung unter der Leitung von Dr. med. Wilhelm Bettinger erhielt. 1925 trat Hotelier Bernhard Porten in die Kurhaus-GmbH ein und übernahm 1932 deren Leitung. Rund 180 Jahre urkundlich bekannt und seit 145 Jahren im Besitz der Familie Ebner ist die frühere Weinwirtschaft und heutige Hotel-Gasthof "Hirschen". Zu einem traditionsreichen Haus wurde auch der Gasthof "Zur Krone", den Franz Josef Hiener 1870 einrichtete.Ihren Lebenserwerb schufen sich die Bewohner des Höchenschwander Berges über viele Jahrhunderte vorwiegend aus der eigenen Umgebung, aus Wald und Feld. Holzmacher, Säger, Fuhrleute und kleine Handwerker konnten nur mühsam ihre Existenz sichern; die Landwirtschaft brachte in dieser Höhenlage recht kargen Ertrag. So war hier lediglich eine sehr bescheidene Lebensführung möglich. Um das Gewerbeleben im Bergdorf zu fördern, regte die badische Landesregierung ab 1820 die später weitum bekannte Gold- und Trachtenstickerei an. Dazu kam die Strohflechterei. Eine 1866 erbaute Strohhutfabrik bestand bis 1918. Das Gebäude ging dann an die damalige Kurhaus-GmbH über, wurde nach der Inflation von 1923 in der folgenden wirtschaftlichen Erholung um- und ausgebaut und zuerst als internistische Heilstätte betrieben.

Nicht nur die allgemeine Zeitentwicklung, auch der zunehmende Fremdenverkehr verlangten von der politischen Gemeinde die Förderung öffentlicher Anlagen und Einrichtungen. Die Infrastruktur der Gemeinde musste "mithalten". 1903 entstand die erste Wasserleitung, die ständig erweitert werden mu8te. Insgesamt wurde die ausreichende Wasserversorgung für die auf einer Bergkuppe liegende Gemeinde zu einem jahrzehntelangen Problem. 1920 folgte die Einführung des elektrischen Stromes. Erweiterung und Modernisierung des Strassennetzes und auch die Abwasserbeseitigung wurden ständige Themen der Verwaltung. Insgesamt hatte die Kurgemeinde den äußeren Rahmen zu gestalten, um seinen vielen Gästen einen angenehmen und erholsamen Aufenthalt zu ermöglichen. Seit 1922 wird der Kurverein, ein Zusammenschluss aller am Fremdenverkehr beteiligten und interessierten Bürger, genannt. Er bemühte sich um die Anlage eines Schwimm- und Sonnenbades, guter Spazierwege mit Ruhebänken und um ein gepflegtes Dorfbild.

Neben dem ständigen Ausbau der bereits bestehenden Betriebe kamen im Laufe der Jahre neue Hotels, Fremdenheime und Gästezimmer in Privathäusern hinzu. Einige Zahlen belegen diese Entwicklung. 1874 hatte Höchenschwand einen Betrieb mit 59 Betten und 2.615 Übernachtungen. 1921 waren es drei Häuser mit 71 Betten und 7.912 Übernachtungen und vor Kriegsbeginn 1939 waren es schon elf Betriebe mit 481 Gästebetten und 119.414 Übernachtungen. 1939 erhielt Höchenschwand erstmals die staatliche Anerkennung als "heilklimatischer Kurort"; nach jeweils strengen Richtlinien und Untersuchungen immer wieder – zuletzt 1986 – überprüft.

Dieses wertvolle Prädikat war nicht nur ein werbewirksamer neuer Titel, sondern besonders für die Aufbaujahre nach dem zweiten Weltkrieg eine ernste Verpflichtung, Programm und Ansporn für die zeitgemäße Gestaltung des Kurortes, ohne jedoch dabei den Verlockungen des Massentourismuses zu verfallen. Wie richtig die Baumeister dieses Weges – oft gegen den Widerstand mancher modernistischer Strömungen – handelten, zeigt der heutige Erfolg, der dem "Dorf am Himmel" auch eine gedeihliche Zukunft verspricht. So darf dieses "50." wohl zu Recht als Jubiläumsdatum begangen werden, ist aber zugleich mahnender Auftrag an alle Verantwortlichen.

Text: Ulrich Geiß